Der Peugeot 3008 ist zum Car of the Year 2017 gewählt wurden. Doch ging bei der Abstimmung auch alles mit rechten Dingen zu?
Der Car of the Year-Award ist in der Automobilindustrie in etwa das, was im Filmgeschäft der Oscar ist. Keine Auszeichnung ist bedeutender und mit keiner anderen lässt sich besser werben. Prämiert wird das Siegerfahrzeug dabei alljährlich im Vorfeld zum Genfer Automobil Salon. Und da dieser bekanntlich gerade stattfindet dürfte sich der Ein der Andere sicherlich fragen, welches Fahrzeug sich in diesem Jahr mit dem schmucken Beinamen "Car of the Year 2017" schmücken darf? Es ist der Peugeot 3008, der sich in einem packenden Duell gegen die bildhübsche Italienerin Alfa Romeo Giulia letztendlich knapp durchsetzen konnte. Doch war das Duell um die Krone bis zum letzten Voting fair? Im Netz wird jedenfalls heiß diskutiert ob hier nicht geschummelt wurde.


Lange lieferte sich die Giulia mit dem 3008 ein packendes Duell und konnte diesen auch bis kurz vor Schluss hinter sich halten. Dann kamen aber die Votings der Iberer und das Blatt wendete sich. Im Netz wird diese Bewertung heiß diskutiert und viele fragen sich, lief hier alles sauber ab? - Foto: FCA
Das die Auszeichnung am Ende nach Frankreich und nicht nach Italien ging, kam für viele doch sehr überraschend. Beide Fahrzeuge lieferten sich bis kurz vor Schluss ein sehr enges Kopf-an-Kopf-Rennen und selbst in den jeweiligen Heimatländern beider Fahrzeugen waren die Juroren unentschlossen. So bekam etwa in Frankreich der 3008 38 Punkte zugesprochen, die Giulia landete mit 35 aber unmittelbar dahinter. In Italien zeigte sich ein ganz ähnliches Bild, hier fanden nur drei Juroren den Alfa am besten, zwei andere sahen hingegen den Peugeot vorne. So würde man das auch bei zwei Fahrzeugen erwarten, die sich am Ende mit wenig Abstand untereinander als beste Neuheiten des vergangenen Jahres erwiesen haben.

Doch so sollte es nicht bis zum Schluss bleiben, denn am Ende wurde die Giulia von vier Journalisten aus Spanien und Portugal knallhart abgestraft und muss sich somit mit 23 Rückstand auf 3008 mit Platz 2 begnügen. Im ersten Moment spricht sicherlich nichts gegen diese Bewertung, doch schaut man sich die Begründung der Punktevergabe beider an, könnte man diese zumindest hinterfragen.

Die Portugiesen Francisco Mota und Joaquim Oliveira sprachen der Giulia zusammen nur drei mickrige Punkte zu, während sie den Peugeot auch in der Gesamtverteilung ihrer Stimmen über das Restfeld auffällig weit vorne sahen (8+10). Ihre Begründungen enthalten erstaunlich viele Ungereimtheiten: Das ESP ist bei der Giulia angeblich nicht abschaltbar obwohl sich dieses im Race Mode des Topmodell Quadrifoglio sehr wohl deaktivieren lässt. Des weiteren begründen beide Portugisen ihre Entscheidung damit, dass die Giulia über "Qualitätsprobleme" ein "schlechtes Infotainment" und keinen Hybridantrieb verfügen würde, dabei gilt ein eben solcher Antrieb seit langen als gesetzt und dürfte schon sehr bald die Motorenpalette der Giulia ergänzen. Damit aber nicht genug, denn laut den Portugiesen schrumpft das Segment und die Giulia sei sowieso nur für die "überwältigende Minderheit" gemacht (außer Trabant kenne ich keins, was für die Mehrheit gemacht war), was man als blanken Hohn empfinden muss, wo doch eigentlich eine Bewertung der Eigenschaften dieser Fahrzeuge im Vordergrund stehen sollte.

Wer nun glaubt, es könnte nicht noch schlimmer werden, der irrt. Die Spanier Xavier Pérez und Pere Prat, die beide in Barcelona arbeiten, zeigen ihre Abneigung gegenüber der Italienerin noch deutlicher. Von beiden Spaniern gab es keine 3, 2 oder einen Punkt, nein sie straften die Giulia mit NULL Punkten ab. Gleichzeitig wurde der Peugeot 3008 über den grünen Klee gelobt und mit nicht weniger als 19 von 20 möglichen Punkten bedacht wurde. Begründet wurde die Entscheidung übrigens auch nicht. In ihren Statement 1 und Statement 2 schreiben beide, dass die Giulia ein "very good" auf der Straße ist und das "perfect car" für Fahrer sei, die Sportlichkeit und Leidenschaft suchen. Kritikpunkte sucht man hingegen vergebens und damit auch die logische Schlussfolgerung, warum das Fahrzeug so knallhart abgestraft wurde. Dass es nicht ihr Liebling sein muss, OK, aber dafür jeweils 0 Punkte? Irgendwie fehlt mir hier der Glaube um das alles zu glauben.

Das Endergebnis sieht somit wie folgt aus: Peugeot 3008 vor Alfa Romeo Giulia und der neuen E-Klasse von Mercedes-Benz: Grafik: COTY
Übrigens: Die Iberer waren nicht die Einzigen die ein zumindest "auffälliges Abstimmungsverhalten" an den Tag legten. Auch der Däne Rasmussen konnte der Giulia nichts abgewinnen und sprach ihr lediglich einen Punkt zu, während der 3008 mit 8 Punkten von ihm sehr gut bewertet wurde. Nicht das ich jetzt als Fanboy abgestempelt werde, aber Kritik ist erlaubt, wenn sie geäußert wird, dann aber bitte offen, ehrlich und begründet. Davon ist von ihm aber leider überhaupt nichts zu lesen: "I believe Alfa Romeo has some fantastic years to come. The new era of the Italian brand has started very well with the new design and new technology introduced by the Giulia. But at the end, the step forward is much bigger for Alfa Romeo than for the automotive world in general."

Die Marke wird gelobt, auf das Auto wird aber nicht eingegangen und somit bleibt offen, wie es eben nur zu diesem einen Punkt kam. Das ganze hinterlässt bei mir zumindest einen sehr üblen Nachgeschmack und kratzt stark am sonst so sauberen Ego des COTY-Award.

Name

Land Alfa Romeo Giulia Citroën C3 Mercedes E-Class Nissan Micra Peugeot 3008 Toyota C-HR Volvo S90/V90
Horst Bauer Österreich 9 0 5 2 7 2 0
Gerhard Nöhrer Österreich 4 0 8 0 7 5 1
Anthony Verhelle Belgien 3 4 5 3 3 4 3
Lemeret Belgien 8 2 1 2 3 4 5
Jiri Duchon Tschechien 7 2 3 1 6 4 2
Søren W. Rasmussen Dänemark 1 1 3 3 8 3 6
Velimatti Honkanen Finnland 5 5 5 1 2 1 6
Didier Laurent Frankreich 5 6 0 0 8 4 2
VERDEVOYE Alain Gabriel Frankreich 5 1 8 1 7 0 3
Thierry Etienne Frankreich 8 3 0 1 7 3 3
Yves Maroselli Frankreich 7 4 2 1 6 4 1
Meunier Frankreich 5 7 1 1 1 2
Jean-Michel Normand Frankreich 5 4 2 3 9 1 1
Holger Appel Deutschland 5 3 10 0 6 0 1
Michael Specht Deutschland 5 3 6 3 4 2 2
Frank Janssen Deutschland 10 2 7 0 3 2 1
Georg Kacher Deutschland 5 2 4 2 6 3 3
Timo Friedmann Deutschland 4 0 2 0 8 2 9
Ulla Ellmer Deutschland 5 3 8 0 3 2 4
Stratis Chatzipanagiotou Griechenland 6 3 0 4 7 5 0
Zsolt Csikós Ungarn 5 3 3 3 4 4 3
Miklos Gajdan Ungarn 6 2 5 1 4 3 4
Michael McAleer Irland 1 2 8 1 6 3 4
Piero Bianco Italien 8 3 2 3 4 2
MASSIMO NASCIMBENE Italien 6 3 1 3 7 3 2
Diego Eramo Italien 6 2 0 2 9 4
Giorgio Ursicino Italien 8 3 1 3 4 4 2
Alberto Sabbatini Italien 9 2 2 2 5 2 3
SILVIA BARUFFALDI Italien 6 2 0 3 8 3 3
Gert Wisse Niederlande 7 1 4 1 2 5 5
Ton Roks Niederlande 7 2 5 2 3 4 2
Jaco Bijlsma Niederlande 8 4 2 1 4 4 2
Rune Korsvoll Norwegen 1 1 5 4 3 5 6
Wojciech Sierpowski Polen 4 3 0 3 8 4 3
Maciej Ziemek Polen 5 3 1 5 6 3 2
Joaquim Oliveira Portugal 1 3 5 4 8 3 1
Francisco José de Araújo e Silva da Mota Portugal 2 2 4 2 10 2 3
Mikhail Podorozhanskiy Russland 4 2 5 4 4 4
Vadim Ovsiankin Russland 4 2 3 4 5 3 4
Sebastjan Plevnjak Slowenien 5 3 2 3 8 3 1
Pere Prat Bertrana Spanien 0 6 0 5 9 2 3
XAVIER PÉREZ GIMÉNEZ Spanien 0 7 0 3 10 4 1
Juan Carlos Payo Calderón Spanien 3 4 1 3 9 3 2
Alberto Mallo Spanien 8 2 1 3 6 4
Rafael Guitart Spanien 2 4 1 4 8 3 3
FELIX CEREZO Spanien 3 3 2 4 8 2
Jan-Erik Berggren Schweden 7 6 3 0 0 1 8
Hakan Matson Schweden 8 3 2 1 5 4 2
Tommy Wahlström Schweden 1 3 5 0 2 4 10
Urs Baertschi Schweiz 6 0 7 2 4 0
Peter Ruch Schweiz 8 5 0 1 6 0 5
Ufuk Sandik Türkei 4 3 1 2 7 5 3
Andrew Frankel Groß Britanien 4 3 6 7 1 2 2
John Simister Groß Britanien 10 7 0 5 1 2 0
Paul Richard Horrell Groß Britanien 5 1 7 3 3 3 3
Matthew Prior Groß Britanien 8 2 6 0 4 0 5
Philip McNamara Groß Britanien 2 3 7 5 5 2 1
Andrew English Groß Britanien 2 1 10 5 1 3 3
Gesamt   296 166 197 135 319 165 172
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Daniel L

Daniel L

Seit dem Kleinkindalter vom Automobil- und Motorsport-Virus infiziert. Seit 2009 Blogger und seit September 2011 Betreiber dieses Blogs. Kommentare zu meinen Artikeln sind immer gerne gesehen und wer Fragen hat, erreicht mich am besten per E-Mail

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